„Wir haben ja keine Alternative…“

Im März 2021 trafen sich acht Klienten und Mitarbeiter von SDN in der digitalen Männergruppe. Denn: Bevor wir wirklich auf alle Gruppen verzichten müssen, versuchen wir über dieses neue Format den Kontakt auh untereinander herzustellen und zu halten.

Herr Hayyat interviewte Herrn V. S. zu seinen diesbezüglichen Erfahrungen.

 

Hätten Sie sich vor 10 Jahren vorstellen können, dass Sie Kontakte und Gespräche über digitale Endgeräte gestalten und dass Sie Ihr Smartphone immer zur Hand haben?

Nein, hätte ich mir nicht vorstellen können.  Die Technik war ja noch gar nicht so weit. Technik war schon immer sehr teuer für mich.

Worin besteht für Sie der Unterschied zwischen einem analogen und einem digitalen Gespräch? Gibt es eine für Sie unterscheidbare Vertrautheit?

Ja, bei einer digitalen Kommunikation fehlt mir die physische Anwesenheit. Ich reagiere im digitalen Kontakt komplett anders. Emotionen werden anders transportiert.

Haben Sie Ihr Smartphone bzw. Ihren Computer permanent online?

Nein, ich bin nicht permanent online. Ich nutze mein Handy lediglich am Abend. Oft habe ich mein Handy ausgeschaltet und es nur an, wenn ich muss bzw. es nötig ist. Mich stört es im Kontakt, wenn man sich viel mit dem Handy beschäftigt.

Haben Sie – wenn Sie offline gehen würden – die Sorge, etwas zu verpassen?

Nein, ich habe dahingehend keine Sorgen. Ich bin da wahrscheinlich noch ein wenig altmodisch. Ich gucke zum Beispiel regelmäßig die Tagesschau.

Wie wichtig ist für Sie eine Nachricht, die Sie auf dem Display Ihres Smartphones erhalten?

Eine Nachricht ist mir wichtig, da ich darüber das Gefühl habe, dass jemand für mich interessiert. Ich muss mein Handy aber nicht permanent im Blick halten. Das macht mich nicht nervös.

Unterbrechen Sie Ihren Kontakt mit Ihrem physischen Gegenüber, um einen Blick auf Ihr digitales Endgerät und die schnelle Lektüre zu werfen?

Ich nutze mein Handy sowieso nur sehr wenig, aber ich vermeide es im Kontakt mein Handy zu nutzen.

Mit Blick auf die Männergruppe haben Sie erste Erfahrung im Umgang mit der Onlinekonferenz Software gemacht. Wie würden Sie den Umgang damit beschreiben?

Der Umgang war gewöhnungsbedürftig für mich. Ich musste mich erstmal an das neue Format herantasten. Mit ein wenig Eingewöhnungszeit und entsprechender Anleitung, konnte ich mich aber gut zurechtfinden. Am Ende war es leichter als ich gedacht habe. Oft habe ich Schwierigkeiten mich auf neue Dinge einzulassen.

Wie ist die Qualität gegenüber einer Präsenzveranstaltung und was hat Ihnen besonders gefallen?

Die Qualität war eigentlich genauso gut, da die Moderatoren die Veranstaltung sehr gut angeleitet haben. Mit Hilfe von vorher kommunizierten Regeln war ein flüssiger Ablauf gewährleistet.  Ich hatte jederzeit das Gefühl eines respektvollen Miteinander. Ich konnte mich immer mitteilen, sofern ich einen Beitrag leisten wollte. Mir wurde fortwährend ausreichend Zeit eingeräumt.

Nennen Sie Vor- und Nachteile, die Sie für sich ausgemacht haben!

Die Nachteile waren für mich, dass man ja doch irgendwie alleine ist. Mir fehlt der physische Kontakt. Ein Gespräch in einer Präsensrunde ist einfach auch was Anderes. Schade ist auch, dass nicht jeder die technischen Voraussetzungen hat und eine Teilnahme daher nicht immer möglich ist.

Vorteil ist für mich, dass ich in meiner gewohnten Umgebung bleiben konnte. Gut war auch, dass ich entscheiden konnte wann ich mich mit dem Video zuschalte. Vielleicht ist das für andere Teilnehmer auch eine Chance, insbesondere, wenn man keinen Antrieb findet vor die Türe zu gehen.

Wie würden Sie sich entscheiden, sollten Sie die Wahl zwischen Online- oder Präsensveranstaltung haben?

Eine Onlineveranstaltung ist eine tolle Alternative, aber eine Präsenzveranstaltung hat einfach einen ganz anderen Charakter. Alleine die Gestik und die Mimik wird dann noch mal ganz anders wahrgenommen. Ich bin aber prinzipiell offen für eine Onlineveranstaltung. War ja auch irgendwo schön mal wieder Leute zu sehen.

Begrüßen Sie die Entscheidung, die Männergruppe auf diesem Weg stattfinden zu lassen?

Wir haben ja keine Alternative, daher bin ich dankbar, dass die Männergruppe zumindest auf diesem Wege stattgefunden hat.

Haben Sie die Themen der Männergruppe angesprochen?

Die Themen der Männergruppe haben mich sehr angesprochen, da ich nun weiß, dass andere Teilnehmer ähnliche Probleme haben. Man fühlt sich nicht allein gelassen damit.  Ich freue mich schon auf die nächste Gruppe.

Was würden Sie ändern, um die Männergruppe noch besser zu gestalten?

Ich würde mir wünschen, dass sich noch viel mehr Männer für die Gruppe begeistern würden. Wobei natürlich beim Onlineformat die Teilnehmerzahl begrenzt sein sollte. Ändern würde ich eigentlich nichts, wobei ich mich über jeden weiteren Impuls freuen würde.

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